fbpx

VW hat Golf-Probleme

Ist der Würger von Wolfsburg zurück?

VW hat Golf-Probleme

In meinem Buch „Ausgereizt“ schreibe ich über den „Würger von Wolfsburg“. Aufgrund des von ihm und seinen „Kriegern“ initiierten und durchgeführten Cost-Cutting bei Lieferanten und eigener Produktion, wurden die Fahrzeuge von Volkswagen Anfangs der 1990er möglicherweise billiger, ganz sicher jedoch immer schlechter.

Der verantwortliche Manager wurde seinerzeit von Dr. Ferdinand Piech selbst vom damaligen Hauptwettbewerber Opel abgeworben und hieß José Ignacio López de Arriortúa. López hat sogar einen eignen Begriff geprägt, den López-Effekt. Der López-Effekt stand anfangs als Synonym für vereinfachte Montageleistungen und günstigeren Einkauf, später für billige und oft mangelhafte Bauteile und heute schlicht und ergreifend nur noch für „Schund“.

Erholung vom und Rückkehr des López-Effekt

Nach seinem vorzeitigen Ausscheiden in 1996 hat sich der Golf erst langsam und dann rasant von seinem schlechten Image erholt. So musste beispielsweise noch beim Golf IV bei einem simplen Defekt des Blinkerrelais der komplette Warnblinkschalter erneuert werden.
Doch das war Geschichte, jahrelang war der Golf die unangefochtene Nummer 1 der Zulassungsstatistik. Mit gutem Grund. Ein Golf sah (über die Jahre immer gleich) „ganz ok“ aus, man kam mit ihm ganz gut von A nach B, konnte manchmal auch „einen heißen Reifen drehen“ und man nahm ihn, wenn man nichts anderes hatte und / oder keine Experimente machen wollte.

Das ging einige Golf-Modelle und viele Jahre lang ziemlich gut. Doch jetzt ist nach langer langer Zeit erstmal Schluß damit. Im Februar 2020 wurde der Golf vom europäischen Zulassungs-Thron gestossen. Und seitdem macht es sich dort der Renault Clio bequem. Im Juni standen 24.000 neu zugelassenen Golf immerhin 37.000 Clio gegenüber. Ausschlaggebend ist dafür jedoch nicht der günstigere Preis oder der geringere Schadstoffausstoß, sondern wieder mal die Qualität des Golf.

Waren es früher verreckte Blinkerschalter und durchgerostete Türen, so ist es beim aktuellen Golf VIII die Software. Im Extremfall musste die Software bei „einzelnen Fahrzeugen bis zu 160-mal aufgespielt werden“, berichtet Gabor Steingart, wie immer gut informiert aus Betriebsratskreisen. Und weiter: „Normalerweise liefen in Wolfsburg mehr als 70 Prozent aller Autos ohne weitere Verzögerung vom Band. Beim Golf 8 habe die Quote bei 30 Prozent gelegen.“

Der López-Effekt ist zurück

Der VW Golf, Innbegriff deutscher Massen-Automobilsqualität, nach 45 Jahren an der Spitze, abgehängt von einem französischen Kleinwagen. Noch vor kurzem völlig unvorstellbar – und doch bittere Wahrheit.

Ein neuer Fall von „Ausgereizt“ bei Volkswagen. Zuviel Software, zuviel Schnickschnack, zuviel Fehler. Am Markenkern von Volkswagen und vom Golf vorbei und damit eben auch am Kunden vorbei.

Am Ende entscheidet nicht der Hersteller und nicht der Verkäufer. Am Ende entscheidet der Kunde, was er will und was er braucht. Und kein Kunde will oder braucht ein halbgares Produkt, bei dem nur jedes Dritte auf Anhieb fehlerfrei funktioniert. Die beste Technik bringt nichts, wenn sie nicht funzt.

 

Rabatte machen eine Ware nicht besser, nur billiger

Natürlich reagiert der Vertrieb von Volkswagen auf einen solch massiven Absatzrückgang. Und zwar so, wie meist reagiert wird. So wie damals, nach Bekanntwerden der Dieselschummeleien. Die manipulierten Autos standen sich damals auch die Reifen platt. Also was wurde gemacht? Der Preis abgesenkt. Aus manipulierten Autos wurden damit billige manipulierte Autos. Der Rabatt von damals hat die Autos zwar billiger, aber keinesfalls Umwelt- und Zulassungsverträglicher gemacht. Dennoch wurden Rabatte für neue Volkswagen gewährt.

Mit Rabatten lässt sich´s richten. Glauben viele Anbieter. Auch Volkswagen. Inzwischen wird der aktuelle Golf 8 mit „XXL-Rabatten“ und für „günstige“ 109,– Euro brutto im Monat“ angeboten. Auch hier macht der Rabatt den Golf nur billiger, jedoch keineswegs besser.
Und Schund, selbst wenn er aus Wolfsburg kommt, wird nicht akzeptiert. Zu keinem Preis.

Deshalb: Geben Sie keine Rabatte!